Kultur

Das ZDF und die WM: Ein Programm im Umbruch

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat das TV-Programm des ZDF erheblich durcheinandergebracht. In einem Wettlauf um die Aufmerksamkeit wird kurzfristig umstrukturiert.

vonJonas Schmidt10. Juni 20262 Min Lesezeit

Im Halbdunkel eines überfüllten Fernsehstudios, wo ein hektisches Treiben herrscht, bombardiert der Moderator seine Zuschauer mit den neuesten Nachrichten zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft. Die Pupillen der Zuschauer leuchten vor Spannung – abgesehen von denen, die mehr an den hochschwangeren Dramen und Krimis interessiert sind, die das ZDF vor den Fifa-Kameras schmeißt. Um diese Zielgruppe nicht zu verlieren, hat der Sender sein ganzes Programm über den Haufen geworfen.

In einer schockierenden Enthüllung, die ebenso wenig überraschend kommt wie die Entscheidung, dass die nächste WM in Katar nicht für ein Sommermärchen, sondern für einen Wintercoup sorgt, hat das ZDF angekündigt, dass die kommenden Monate stark im Zeichen des Fußballs stehen werden. Auch die gewohnten Fernsehnarrative müssen zurückstecken, um dem Rundball Platz zu machen – oder vielmehr, so möchten wir meinen, dem Rundball samt seiner Fan-Community. Die Bedeutung von Fußballevents für die deutsche Gesellschaft wird an diesem Punkt kaum überschätzt. Die Fernsehzuschauer erwarten nicht nur ein Spektakel auf dem Platz, sondern auch die dazugehörige Werbewelle und die regelmäßige Dosis an emotionaler Aufregung, die mit den Spielen einhergeht.

Die Umstrukturierung des Formats

Ob Literaturverfilmungen, spannende Serien oder entwaffnende Dokumentationen – all das muss vorübergehend weichen, während das ZDF sich um die Planungen der WM dreht. Diese Programme sind nun auf die späten Abendstunden oder gar die ausgedehnten Ferienzeiten verschoben worden. Man stellt sich vor, wie die Produzenten, inmitten ihrer Kalkulationen und Programmumstellungen, das Wanken der Quoten betrachten, während sie den Ball der Unterhaltung in den Fußballsumpf rollen.

Daneben haben die Sportredakteure allerhand zu tun. Taktiken, Spielerstatistiken und die geschichtliche Bedeutung vergangener WM-Spiele – alles wird in die oberste Schublade gelegt, während die Zeit bis zur WM verstreicht. Das große Ziel: Die Zuschauer mit einem bunten Strauß an Informationen und Analysen zu versorgen, der den Höhepunkt des internationalen Fußballs gebührend zelebriert. Es sind wahrhaft kreative Köpfe am Werk, sich die Übertragungen schönzureden, während sie sich gleichzeitig der schmerzlichen Umstellung ihrer Programminhalte bewusst sind.

Die Sehgewohnheiten der Zuschauer

Die Gemütslage der Zuschauer? Ein Blick auf den Twitter-Trend zu WM-Themen lässt vermuten, dass der Fußball an erster Stelle steht. Die Verdrängung anderer Formate wird eher als notwendiges Übel gesehen denn als Katastrophe. Das breite Publikum ist auf die Jagd nach dem nächsten großen Spiel und will keine Serie verpassen, so dass wir uns fragen müssen, wie lange diese temporären Programmänderungen tatsächlich anhalten werden. Letztlich ist es die ungeschriebene Regel, dass die Leidenschaft für den Fußball alle anderen Interessen überstrahlt – vorübergehend zumindest.

Und so schnappt sich das ZDF das Fußballfieber; das regelmäßige Programm wird einer Werbemaßnahme für das runde Leder geopfert, die mit einem Haufen Begeisterung und etwas Maßlosigkeit daherkommt. Ob diese Umstrukturierung am Ende das erhoffte Zuschauerinteresse zurückbringt, bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit werfen wir jedoch einen kritischen Blick auf das TV-Programm und freuen uns auf die nächsten spannenden Spiele – und auf die Ungewissheit, was aus den anderen Formaten wird.

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